Geschichte des Priesterseminars
Das Brixner Priesterseminar in 19. und 20. Jh.
Auf jene schwere Zeit folgte eine Zeit besonderer Blüte und großer
Ausstrahlung. Unter den Professoren ragte vor allem das sogenannte
„Brixner Dreigestirn“ Vinzenz Gasser (später Fürstbischof von
Brixen und auf dem I. Vatikanum ein eifriger Verfechter der
päpstlichen Infallibilität; siehe Bild nebenan), Franz Joseph
Rudigier (später Bischof von Linz und Erbauer des dortigen Domes)
und Joseph Feßler (später Bischof von St. Pölten und Sekretär des
I. Vatikanums) hervor. Aber auch viele andere Seminarprofessoren
hatten durch ihre Veröffentlichungen eine breite kirchliche
Wirkung.
Um die vorletzte Jahrhundertwende war das Brixner Seminar eine
Förderungsstätte christlich-sozialer Ideen (u.a. Aemilian
Schöpfer, Sigismund Waitz). Nach 1918 eine begann neue Phase.
Durch die neue Staatsgrenze am Brenner wurde die Diözese Brixen
nämlich zweigeteilt: ein großer Teil (Nord- und Osttirol, sowie
Vorarlberg) verblieb österreichisch, der obere Vinschgau, das
Eisack- und das Pustertal mit der Bischofsstadt Brixen kam zu
Italien. Das Priesterseminar bildete aber weiterhin (für 20 Jahre)
die Priester aus beiden Teilen der Diözese aus.
Bereits 1921 wurde der österreichisch verbliebene Teil der Diözese
Apostolische Administratur, blieb aber immer noch Brixen
unterstellt. 1925 ernannte der Heilige Stuhl Sigismund Waitz zum
Apostolischen Administrator von Innsbruck-Feldkirch mit allen
Rechten und Pflichten eines Residentialbischofs. Somit war die
Trennung von Brixen faktisch, wenn auch noch nicht definitiv,
vollzogen.
Im Jahre 1938 wurde das Canisianum zum Diözesanseminar der
Apostolischen Administratur Innsbruck-Feldkirch erklärt, da die
Theologen von jenseits des Brenners nicht mehr nach Brixen kommen
durften.
Im Jahre 1944 mussten die meisten Theologen des Brixner
Priesterseminars zur Wehrmacht einrücken, so dass das Studienjahr
mit nur vier Hörern im Cassianeum (siehe Bild) eröffnet wurde, da
das Seminargebäude vom Deutschen Militär besetzt war. 1945 stand
es wieder den Theologen zur Verfügung, beherbergte aber für
mehrere Jahre auch verschiedene (öffentliche) Schulen.
Im Jahre 1957/58 ließ Bischof Joseph Gargitter das Seminar
vollständig umbauen und an die Wohnverhältnisse der Zeit anpassen,
nachdem der Bau aus dem 18. Jh. bereits um die Jahrhundertwende um
ein Stockwerk erhöht und um den Ostflügel erweitert worden war.
In der in diesem Abschnitt behandelten Zeit (19. und 20. Jh.)
studierten mehrere bedeutende Persönlichkeiten im Brixner
Priesterseminar, unter anderem große Glaubenszeugen, wie der
Heilige Josef Freinademetz († 1908 als Missionar in China), der
selige Otto Neururer († 1940 als Märtyrer im KZ Buchenwald; siehe
Bild), P. Franz Reinisch SAC († 1942: hingerichtet im Zuchthaus
Brandenburg) und Carl Lampert († 1944: hingerichtet in
Halle/Saale) und andere bedeutende Gestalten der Kirche Tirols wie
- um stellvertretend für viele andere nur einige Namen zu nennen -
Alois Maaß (weitum verehrter Pfarrer von Fließ, † 1846), Ignaz
Mitterer (Komponist volkstümlicher Kirchenmusik, † 1924), Aemilian
Schöpfer (Priester, christlich-sozialer Politiker, Zeitungsmann, †
1936), Sebastian Rieger („Reimmichl“, † 1953), P. Josef Andreas
Jungmann SJ (Liturgieprofessor in Innsbruck, † 1975), Johannes
Messner (Professor für Ethik und Sozialwissenschaften in Wien, †
1984).
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