Heiligsprechung von P. Josef Freinadametz
Es ist schon eine besondere Freude für unser Priesterseminar, dass
am 5. Oktober 2003 der Patron unserer Seminarkapelle, P. Josef
Freinademetz SVD, heiliggesprochen worden ist, war er doch selbst
Alumne in diesem Haus.
Josef Freinademetz wurde am 15. April 1852 in Oies im Gadertal als
Bauernsohn geboren. Nach Abschluss des Gymnasiums ging er im Jahre
1872 "über's Brüggele" d.h. er trat in unser Priesterseminar ein.
Dort herrschte damals - wie übrigens auch im Gymnasium - große
Missionsbegeisterung, die auch von verschiedenen Professoren
gefördert wurde.
Sein Mansardenzimmer im dritten Stock teilt er mit seinem besten
Studienfreund, dem späteren Spiritual und Dekan von Taufers,
Eduard Stemberger. Die beiden hatten zu wachen, dass dort kein
Feuer entstand. Freinademetz war ein sehr aktives und
gemeinschaftsbildendes Mitglied des Priesterseminars, eine Tugend,
die ihm später bei seiner Missionsarbeit bei den sehr
gemeinschaftsliebenden Chinesen sicher sehr zugute kam.
Am 25. Juli 1875 wurde er zum Priester geweiht. Im Jahre 1876
wurde er Kooperator in St. Martin in Thurn. Dort las er wohl einem
im Brixner Kirchenblatt veröffentlichten Artikel über das
Missionshaus in Steyl, denn am 28. Februar 1878 bat er den Rektor
von Steyl, P. Arnold Janssen, um Aufnahme.
In seiner Abschiedspredigt von den Gläubigen von St. Martin heißt
es:
Der göttliche gute Hirte hat mich in seiner unergründlichen
Güte eingeladen, mit ihm hinauszugehen in die Wüste, ihm zu helfen
bei der Suche nach den verirrten Schafen. Was soll ich also
anderes tun, als voll Freude und Dankbarkeit seine Hand küssen und
mit der Schrift sagen: Siehe, ich komme! Und mit Abraham das
Vaterhaus, die Heimat und euch, meine Lieben, verlassen und in das
Land gehen, das der Herr mir zeigen wird.
Im Jahre 1879 erfüllte sich schließlich sein großer Wunsch,
Missionar in China zu werden. Nach dem Studium der Sprache und
Kultur Chinas arbeitete er unter größten Schwierigkeiten und
persönlichen Entbehrungen zunächst als Wandermissionar, dann als
Leiter der Mission in Südchina.
Josef Freinademetz identifizierte sich mit den Chinesen sosehr,
dass er ganz den Lebensstil der Chinesen in Wohnung, Kleidung,
Haartracht ... annahm. Auch einen chinesischen Namen, Fu Shenfu
(Priester des Glücks), legte er sich zu.
Er sagte einmal: "Ich will auch im Himmel ein Chinese sein."
Und das, obwohl er anfangs gar nicht so angetan war von den
Chinesen; er schreibt einmal:
Der chinesische Charakter hat für uns Europäer wenig
Anziehendes ... Der Chinese ist vom Schöpfer nicht mit den
gleichen Anlagen ausgestattet worden, wie der Europäer, und es
kostet den jungen Missionar nicht wenig, sich über dessen
Verstellungssucht, seine Herzlosigkeit und Gleichgültigkeit
hinwegzusetzen.
Und gerade das ist seine Heiligkeit, dass er nicht bei den ersten
Eindrücken und Vorurteilen stehen geblieben ist, sondern sich ganz
eingelassen hat auf die Menschen, dass er selbst einen Weg der
Bekehrung gegangen ist, er, der eigentlich nach China gegangen
war, um die dortigen Heiden zu bekehren. Wie der Völkerapostel
Paulus ist er wirklich allen alles geworden (vgl. 1Kor 9,22).
Er starb am 28. Januar 1908 an Typhus.
Am 19. Oktober 1975 wurde er von Papst Paul VI. selig gesprochen.
(Fabian Tirler)
(Literatur: J. Gelmi, Geschichte der Kirche in Tirol. Innsbruck
2001; P. H. Valentin SJ, Pater Josef Freinademetz und das Brixner
Priesterseminar. In: Konferenzblatt für Theologie und Seelsorge 87
(1976), 197-203.)
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