Philosophisch-Theologische Hochschule Brixen
Philosophisch-Theologische Hochschule Brixen
Zur Geschichte
Die
Philosophisch-Theologische Hochschule am Priesterseminar von
Brixen geht auf die vom Konzil von Trient beschlossene Ordnung der
Studien für die Ausbildung von Priestern zurück. Auf Beschluß der
Diözesansynode von 1603, die als Reformsynode die Dekrete des
Trienter Konzils auf die Diözese Brixen anwandte, wurde dann auch
am 19. November 1607 das Priesterseminar gegründet. Es fand zuerst
Unterkunft in einem Gebäude neben dem Kreuzgang, im heutigen
"Kassianeum", bis in den Jahren 1764 bis 1772 auf der
Heilig-Kreuzinsel das barocke Seminargebäude errichtet wurde. In
Laufe der Zeit erfolgten mehrere Renovierungen und Erweiterungen;
der letzte Zubau mit Räumen für Bibliothek, Hochschule und
Kirchenmusikschule wurde in den Jahren 1988 bis 1990 erweitert.
Die Studienordnung entsprach in der Anfangszeit dem
tridentinischen Muster für Diözesanseminare und wurde dann im 19.
Jahrhundert auf die entsprechende österrei-chische Gesetzgebung
abgestimmt. Von 1807 bis 1822 gab es eine Unterbrechung, denn 1807
waren alle theologischen Lehranstalten an den Diözesanseminaren
Tirols von der bayrischen Regierung aufgehoben worden. Nach dem
Wiener Kongreß und der Rückkehr Tirols zu Österreich konnte die
Lehranstalt am Priesterseminar wieder errichtet werden.
Die Studien am Brixner Priesterseminar genossen einen guten Ruf.
An der wieder-errichteten Lehranstalt dozierten berühmte
Professoren wie der Historiker Franz Anton Sinnacher (1772-1836),
der Moraltheologe Josef Ambros Stapf (1785-1844) und der Exeget
Jakob Probst (1792-1870). Unter Fürstbischof Bernhard Galura
(1829-1856) lehrte in Brixen das berühmte "Dreigestirn" Vinzenz
Gasser (1809-1879), Franz Josef Rudigier (1811-1884) und Joseph
Feßler (1813-1872).
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zählte die
Ausbildungsstätte am Priester-seminar zu den berühmten
theologischen Lehranstalten des Habsburgerreiches. Unter den
Professoren ragten der Neuscholastiker Franz Egger (1836-1918),
der Kirchenrechtler Simon Aichner (1816-1910), der
Kirchenhistoriker Johann Nepomuk Zobl (1822-1907) und vor allem
der Exeget, Zeitungsverleger und Sozialpolitiker Aemilian Schöpfer
(1858-1936) hervor.
Der ausgezeichnete Ruf des Brixner Priesterseminars wurde damals
auch durch die Tatsache bezeugt, daß Bischöfe von Preußen während
des Kulturkampfs einen Teil ihrer Theologiestudenten an die
Brixner Lehranstalt sandten. Auch im 20. Jahrhundert zeichneten
sich die Professoren am Brixner Priesterseminar aus. Eine
bedeutende Persönlichkeit war der Moraltheologe und Sozialethiker
Sigismund Waitz (1864-1941). Zu den fruchtbarsten Schriftstellern
Tirols zählte der Kunsthistoriker Josef Weingartner (1885-1957).
In neuester Zeit haben sich besonders der Thomasforscher Albert
Mitterer (1887-1966), der Kirchenhistoriker Anselm Sparber
(1883-1969) und der Pastoraltheologe Johannes Baur (1895-1975)
profiliert.
Die nach dem ersten Weltkrieg erfolgte politische Teilung Tirols
und der Diözese Brixen hatte zwar ihren Einfluß auf das Brixner
Priesterseminar und die theologische Lehranstalt, es konnten
jedoch noch bis 1938 Theologiestudenten auch aus Nord- und
Osttirol und aus Vorarlberg in Brixen studieren (von 1915/16 bis
1924/25 kamen auch die Theologiestudenten des "Deutschen Anteils"
der Diözese Trient hinzu). Rechtlich wurden das Seminar und die
theologische Lehranstalt nun als rein diözesane Institutionen
geführt. Auch während des zweiten Weltkriegs konnten die
philosophisch-theologischen Studien gewährleistet bleiben. Ein
weiterer Einschnitt bildete die 1964 erfolgte Neuordnung der
Diözese Bozen-Brixen. Dadurch kamen die Theologiestudenten und
einige Professoren aus dem früheren "Deutschen Anteil" der Diözese
Trient nach Brixen. Nachdem in den siebziger Jahren infolge des
Rückgangs der Priesteramtskandidaten die Zahl der
Theologiestudenten stark abgenommen hatte, konnte man ab Ende der
siebziger Jahren wieder einen Anstieg verzeichnen, da sich auch
immer mehr Laien dem Theologiestudium zuwandten. Ebenso kamen nun
auch regelmäßig Theologiestudenten aus deutschen und
österreichischen Diözesen für das sogenannte Externjahr nach
Brixen.
Für die Theologische Lehranstalt ergab sich durch die 1974-1976
geführten Verhandlungen mit der Theologischen Fakultät der
Universität Innsbruck und mit den zu-ständigen Österreichischen
Bundesministerien (für Wissenschaft und Forschung, für Unterricht
und Kunst, für auswärtige Angelegenheiten) auch eine neue
Situation: Die an ihr absolvierten Studien werden nun von der
Theologischen Fakultät in Innsbruck aufgrund der Harmonisierung
der Studienpläne anerkannt. Den Hörern der Brixner Hochschule
steht es offen, nach Erlangung des theologischen Diploms in Brixen
sich in Innsbruck mindestens ein Semester zu inskribieren, um den
dortigen akademischen Grad des Magisters der Theologie zu erhalten
und eventuell ein Aufbaustudium zur Erlangung des theologischen
Doktorgrads anzufügen.
Diese Regelung wurde von der Kongregation für das Katholische
Bildungswesen (für die Seminare und Studieneinrichtungen) lobend
anerkannt (vgl.Schreiben Prot.N.370/75 vom 10. November und vom
1.Dezember 1976.
Das italienische Unterrichtsministerium hat die Phil. Theol.
Hochschule von Brixen in die Liste jener Institutionen
aufgenommen, die einen gültigen Studientitel für den
Religionsunterricht an öffentlichen Schulen verleihen können (vgl.
Rundschreiben Nr. 225 vom 25.07.1987 mit D.M. vom 15.7.1987, in
Anwendung des D.P.R. vom 16.12.1985, Nr. 751, zur Durchführung der
Übereinkunft (Intesa) zwischen dem Unterrichtsministerium und der
Italienischen Bischofskonferenz).
Am 5. April 1991 hat der Bischof von Bozen-Brixen eine Eingabe an
die Kongregation für das Katholische Bildungswesen gemacht, damit
die Hochschule auch vom Heiligen Stuhl als Akademisches Institut
anerkannt werde, das den Studientitel eines Bakkalaureats in
Theologie verleihen kann. Die regionale Bischofskonferenz von
Nordostitalien (Patriarchat Venedig) hatte schon vorher auf ihrer
Sitzung vom 5.März 1991 dieses Ansuchen befürwortet.
Die Kongregation für das Katholische Bildungswesen errichtete
daraufhin mit den Reskripten Prot.N. 387/91/17-19 vom 18.10.1991
die Brixner Hochschule als akademische Institution päpstlichen
Rechts mit dem Titel "STUDIUM THEOLOGICUM ACADEMICUM BRIXINENSE"
und der Befugnis, den akademischen Grad des Bakkalaureats zu
verleihen.
Ab 1976 wurden an der Brixner Hochschule auch Kurse zur Ausbildung
von Religionslehrern und für verschiedene pastorale Dienste
angeboten. Diese Kurse waren zuerst zweijährig, dann dreijährig
durch das von der Italienischen Bischofskonferenz errichtete
„Institut für Theologische Bildung“, das in Bozen eine
italienischsprachige Sektion unterhält. Die Brixner Sektion wird
„Brixner Theol. Kurse“ bezeichnet.
Weiters wurde im Jahre 1991 durch die Kongregation für das
Katholische Bildungswesen an der Hochschule das „Höhere Institut
für Theologische Bildung errichtet“. Es verleiht den akademischen
Grad des „Magistero in Scienze Religiose“ und berechtigt zum
Religionsunterricht an allen Schulstufen Italiens.
Im laufenden Studienjahr wurde außerdem die Zusammenarbeit mit dem
Institut für Christl. Philosophie an der Theol. Fakultät der
Universität Innsbruck intensiviert. Es wird ein eigenes
Diplomstudium in Philosophie angeboten, mit einem akademischen
Abschluss, der auch in Italien staatlich anerkannt wird.
Die Philosophisch-Theologische Hochschule Brixen ist so in die
europäische Hochschullandschaft eingebunden, nachdem auch das Land
Südtirol längst zu einem Schnittpunkt vor allem zwischen den
deutschsprachigen und italienischsprachigen Kulturräumen geworden
ist. Zu den Aufgaben der Hochschule in Brixen gehört deshalb nicht
nur die Aus- und Weiterbildung für die verschiedenen kirchlichen
Dienste, sondern statutarisch auch der Dialog mit den
gesellschaftlichen und kulturellen Kräften.
Eine besondere Kooperationsmöglichkeit ergibt sich mit der 1998
gegründeten Freien Universität Bozen, speziell mit deren Fakultät
für Bildungswissenschaften in Brixen, die zur Zeit das Gastrecht
in den Räumen der Hochschule wahrnimmt und für welche die
Bibliothek des Priesterseminars als Universitätsbibliothek
ausgebaut worden ist.
Diese Seite ausdrucken |
Diese Seite weiterempfehlen
|