400 Jahre Priesterseminar Brixen
Das Priesterseminar Brixen feierte
2007 sein 400-jähriges Bestehen.
Am 19. November 1607 unterzeichnete Fürstbischof
Andreas von Spaur die Gründungsurkunde.
Über das Jahr wird es verschiedene Akzente anlässlich dieses
Jubiläums geben, das in einer Festwoche vor dem Gründungstag ihren
Höhepunkt findet.
Bereits stattgefunden hat am 29. Jänner ein Festakt, bei dem
Kardinal Grocholewski, der Präfekt der Kongregation für das
katholische Bildungswesen, einen Festvortrag gehalten hat.
Vom 23. bis zum 27. April fand eine Studienreise nach Rom statt,
vom 9. bis zum 30. Juni eine überaus sehenswerte Bibelausstellung.
Fiktiver Brief des Priesterseminars
Sehr verehrte Festversammlung!
Das Priesterseminar Brixen feiert einen runden Geburtstag. Unser
Geburtstagskind wird 400 Jahre alt. Nicht eine Persönlichkeit
feiern wir, sondern eine Institution, die seit 400 Jahren in
unserem Land ein Anliegen verkörpert. Wir hatten uns gedacht, das
Geburtstagskind bei diesem Anlass selber zu Wort kommen zu lassen.
Brixen, am 29. Jänner 2007,
Festtag des Hl. Josef Freinademetz
geschrieben von Regens Ivo Muser und Dekan Hansjörg Rigger
Verehrte Festversammlung!
Mit großer Freude habe ich gehört, dass so viele die Einladung
angenommen haben, um mit mir Geburtstag zu feiern. Der Wunsch,
dass es mich geben sollte, kam ein erstes Mal auf dem Trientner
Konzil auf, konkret wurde es dann 1603 auf der Brixner
Diözesansynode. Am 19. November 1607 erblickte ich dann das Licht
der Welt. Mein erstes Zuhause war in einem Gebäude neben dem
Kreuzgang des Domes, im heutigen Cassianeum. Die ersten
Lebensjahre waren begleitet von so manchen Bedenken und nicht
geringen finanziellen Schwierigkeiten. Ich freute mich über mein
neues Zuhause, das ich um das Jahr 1772 in einem neu errichteten,
barocken Gebäude auf der Kreuzes-Insel bekam. Die Freude war von
kurzer Dauer, denn schon 10 Jahre später ließ Kaiser Joseph II. in
Innsbruck ein Generalseminar für alle künftigen Welt und
Ordenspriester errichten. Die künftigen Priester sollten zu treuen
Beamten erzogen werden. Auch die folgenden Jahre waren sehr bewegt
und stürmisch. In den Wirren der Franzosenzeit und der
Bayernherrschaft war mein schönes Zuhause ein französisches
Militärspital und dann sogar eine Kaserne.
Ein besonderes Jahr war für mich das Jahr 1823. Endlich durfte ich
wieder das
sein, wozu ich gedacht war. Wenn ich so zurückblicke, dann bin ich
dankbar und
stolz zugleich. Die Zahl der Seminaristen nahm ständig zu. Viele
meiner Professoren
waren weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Ich wirkte so
anziehend, dass mir selbst preußische Bischöfe zur Zeit des Kulturkampfes
einen Teil ihrer Seminaristen anvertrauten. Bald schon platzte mein Zuhause aus
allen Nähten und es wurde um ein Stockwerk erhöht. Und wieder sollten sich die
Zeiten ändern.
Nach 1918 verlief mitten durch unsere Diözese eine Staatsgrenze.
1938 wurde es den Seminaristen jenseits des Brenners verboten, zum
Studium nach Brixen zu kommen. Aber es sollte noch schlimmer
kommen. 1944 mussten die meisten meiner Seminaristen an die
Front, so dass das Studienjahr mit nur 4 Studenten eröffnet werden
konnte. Und dazu noch in einer Notunterkunft, da mein schönes
Gebäude vom deutschen Militär besetzt worden war. Das Ende des
schrecklichen Krieges brachte auch für mich wiederum ruhigere
Zeiten. Mein Zuhause wurde grundlegend renoviert und zeitgemäß
umgebaut.
Am 6. August 1964 wurde ich Priesterseminar der
neu errichteten Diözese Bozen-Brixen. Neues Leben kam in mein
Haus, denn nun kamen auch die Seminaristen des ehemaligen
„deutschen Anteils“ der Erzdiözese Trient nach Brixen. Als die
Seminaristen-Zahl Anfang der 70er Jahre immer weiter sank und man
sogar überlegte, mich aufzulösen, entschied Bischof Gargitter,
dass es mich weiterhin geben sollte. Sie stimmen mir sicherlich
zu, es
wäre doch schade, wenn es mich nicht mehr geben würde, denn es
braucht mich für diese Diözese und für dieses Land. Das wird in
meinen nun folgenden Lebensjahren
besonders deutlich. Ich heiße zum Studium der Theologie erstmals
auch Laien, Frauen und Männer, herzlich willkommen. Unterstützung
für meine neuen Pläne kam von der Theologischen Fakultät der
Universität Innsbruck. Als Anerkennung meiner Arbeit empfand
ich, dass der Hl. Stuhl die Hochschule als akademische Institution
päpstlichen Rechts errichtete.
Zu keiner Zeit in meiner bewegten Geschichte
gingen so viele Studierende bei meinen Vorlesungen und Kursen ein
und aus.
Ich war 1607 eine zeitgemäße Antwort auf die Herausforderungen der
damaligen Zeit. Das möchte ich auch heute nach 400 Jahren noch
sein. Auch unsere Zeit braucht Priester. Es braucht viele
theologisch gebildete Männer und Frauen, die sich in den Dienst
der Weitergabe des Glaubens stellen. Dafür stehe ich ein. Aber
vergessen Sie nicht, in meinen 400 Jahren waren es viele, die mich
gestützt und getragen haben. Und diese Vielen brauche ich auch
heute. Meine Geschichte war bewegt. Schmerzliche Erfahrungen waren
ebenso dabei wie hoffnungsvolle Aufbrüche. Heute empfinde ich
große Dankbarkeit und schöpfe aus dieser Geschichte Zuversicht.
Manches macht mir heute Sorgen, ich frage mich oft, wie wird es
weitergehen mit mir und dem Glauben in unserem Land. Doch bei
allen offenen und ungelösten Fragen bleibt die Erfahrung, die ich
in meinem langen Leben immer wieder gemacht habe: ER war mit mir
auf dem Weg.
Ich vertraue darauf, dass ich viele Fürsprecher habe, auf zwei
baue ich besonders, denn immerhin durfte ich sie auf ihrem Weg zur
Priesterweihe begleiten:
der Heilige Josef Freinademetz und der Selige Otto Neururer.
Es grüßt ganz herzlich
Das Brixner Priesterseminar
mit seiner Hochschule
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