Bischöfliches Priesterseminar Brixen seminarium insula sanctae crucis syn pietas et scientia
 
 
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Priesterseminar Brixen
Seminarplatz 4
I-39042 Brixen
Tel.: (+39) 0472 271011
Fax: (+39) 0472 271141
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400 Jahre Priesterseminar Brixen

Das Priesterseminar Brixen feierte 2007 sein 400-jähriges Bestehen.

Am 19. November 1607 unterzeichnete Fürstbischof Andreas von Spaur die Gründungsurkunde.

Über das Jahr wird es verschiedene Akzente anlässlich dieses Jubiläums geben, das in einer Festwoche vor dem Gründungstag ihren Höhepunkt findet.

Bereits stattgefunden hat am 29. Jänner ein Festakt, bei dem Kardinal Grocholewski, der Präfekt der Kongregation für das katholische Bildungswesen, einen Festvortrag gehalten hat.

Vom 23. bis zum 27. April fand eine Studienreise nach Rom statt, vom 9. bis zum 30. Juni eine überaus sehenswerte Bibelausstellung.


Fiktiver Brief des Priesterseminars

Sehr verehrte Festversammlung!

Das Priesterseminar Brixen feiert einen runden Geburtstag. Unser Geburtstagskind wird 400 Jahre alt. Nicht eine Persönlichkeit feiern wir, sondern eine Institution, die seit 400 Jahren in unserem Land ein Anliegen verkörpert. Wir hatten uns gedacht, das Geburtstagskind bei diesem Anlass selber zu Wort kommen zu lassen.

Brixen, am 29. Jänner 2007,
Festtag des Hl. Josef Freinademetz
geschrieben von Regens Ivo Muser und Dekan Hansjörg Rigger

Verehrte Festversammlung!
Mit großer Freude habe ich gehört, dass so viele die Einladung angenommen haben, um mit mir Geburtstag zu feiern. Der Wunsch, dass es mich geben sollte, kam ein erstes Mal auf dem Trientner Konzil auf, konkret wurde es dann 1603 auf der Brixner Diözesansynode. Am 19. November 1607 erblickte ich dann das Licht der Welt. Mein erstes Zuhause war in einem Gebäude neben dem Kreuzgang des Domes, im heutigen Cassianeum. Die ersten Lebensjahre waren begleitet von so manchen Bedenken und nicht geringen finanziellen Schwierigkeiten. Ich freute mich über mein neues Zuhause, das ich um das Jahr 1772 in einem neu errichteten, barocken Gebäude auf der Kreuzes-Insel bekam. Die Freude war von kurzer Dauer, denn schon 10 Jahre später ließ Kaiser Joseph II. in Innsbruck ein Generalseminar für alle künftigen Welt und Ordenspriester errichten. Die künftigen Priester sollten zu treuen Beamten erzogen werden. Auch die folgenden Jahre waren sehr bewegt und stürmisch. In den Wirren der Franzosenzeit und der Bayernherrschaft war mein schönes Zuhause ein französisches Militärspital und dann sogar eine Kaserne.
Ein besonderes Jahr war für mich das Jahr 1823. Endlich durfte ich wieder das
sein, wozu ich gedacht war. Wenn ich so zurückblicke, dann bin ich dankbar und
stolz zugleich. Die Zahl der Seminaristen nahm ständig zu. Viele meiner Professoren waren weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Ich wirkte so anziehend, dass mir selbst preußische Bischöfe zur Zeit des Kulturkampfes einen Teil ihrer Seminaristen anvertrauten. Bald schon platzte mein Zuhause aus allen Nähten und es wurde um ein Stockwerk erhöht. Und wieder sollten sich die Zeiten ändern. Nach 1918 verlief mitten durch unsere Diözese eine Staatsgrenze. 1938 wurde es den Seminaristen jenseits des Brenners verboten, zum Studium nach Brixen zu kommen. Aber es sollte noch schlimmer kommen. 1944 mussten die meisten meiner Seminaristen an die
Front, so dass das Studienjahr mit nur 4 Studenten eröffnet werden konnte. Und dazu noch in einer Notunterkunft, da mein schönes Gebäude vom deutschen Militär besetzt worden war. Das Ende des schrecklichen Krieges brachte auch für mich wiederum ruhigere Zeiten. Mein Zuhause wurde grundlegend renoviert und zeitgemäß umgebaut.

Am 6. August 1964 wurde ich Priesterseminar der neu errichteten Diözese Bozen-Brixen. Neues Leben kam in mein Haus, denn nun kamen auch die Seminaristen des ehemaligen „deutschen Anteils“ der Erzdiözese Trient nach Brixen. Als die Seminaristen-Zahl Anfang der 70er Jahre immer weiter sank und man sogar überlegte, mich aufzulösen, entschied Bischof Gargitter, dass es mich weiterhin geben sollte. Sie stimmen mir sicherlich zu, es
wäre doch schade, wenn es mich nicht mehr geben würde, denn es braucht mich für diese Diözese und für dieses Land. Das wird in meinen nun folgenden Lebensjahren besonders deutlich. Ich heiße zum Studium der Theologie erstmals auch Laien, Frauen und Männer, herzlich willkommen. Unterstützung für meine neuen Pläne kam von der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck. Als Anerkennung meiner Arbeit empfand ich, dass der Hl. Stuhl die Hochschule als akademische Institution päpstlichen Rechts errichtete.

Zu keiner Zeit in meiner bewegten Geschichte gingen so viele Studierende bei meinen Vorlesungen und Kursen ein und aus.
Ich war 1607 eine zeitgemäße Antwort auf die Herausforderungen der damaligen Zeit. Das möchte ich auch heute nach 400 Jahren noch sein. Auch unsere Zeit braucht Priester. Es braucht viele theologisch gebildete Männer und Frauen, die sich in den Dienst der Weitergabe des Glaubens stellen. Dafür stehe ich ein. Aber vergessen Sie nicht, in meinen 400 Jahren waren es viele, die mich gestützt und getragen haben. Und diese Vielen brauche ich auch heute. Meine Geschichte war bewegt. Schmerzliche Erfahrungen waren ebenso dabei wie hoffnungsvolle Aufbrüche. Heute empfinde ich große Dankbarkeit und schöpfe aus dieser Geschichte Zuversicht. Manches macht mir heute Sorgen, ich frage mich oft, wie wird es weitergehen mit mir und dem Glauben in unserem Land. Doch bei allen offenen und ungelösten Fragen bleibt die Erfahrung, die ich in meinem langen Leben immer wieder gemacht habe: ER war mit mir auf dem Weg.
Ich vertraue darauf, dass ich viele Fürsprecher habe, auf zwei baue ich besonders, denn immerhin durfte ich sie auf ihrem Weg zur Priesterweihe begleiten:
der Heilige Josef Freinademetz und der Selige Otto Neururer.

Es grüßt ganz herzlich
Das Brixner Priesterseminar
mit seiner Hochschule


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