Lebensordnung im Priesterseminar Brixen
I. Einleitung
1. Zur Zielsetzung des Priesterseminars
Das Priesterseminar in Brixen dient der Heranbildung der Priester
des Bistums Bozen-Brixen auf dem Hintergrund der Aussage, die im
folgenden zum Grundsätzlichen des priesterlichen Dienstes und zur
besonderen Situation in unserer Diözese gemacht werden. Das
Seminar ist auch offen für Priesteramtskandidaten aus anderen
Diözesen und aus Ordensgemeinschaften. Die Klärung der Berufung
zum Amtspriestertum, die Einübung in ein dieser Berufung
entsprechendes Leben und eine darauf ausgerichtete
wissenschaftliche, geistliche und praktische Ausbildung sind Sinn
und Ziel des Priesterseminars.
2. Zur vorliegenden Lebensordnung
Die Lebensordnung des Priesterseminars Brixen orientiert sich am
Konzilsdokument über die Ausbildung der Priester ("Optatam
totius"), an der "Grundordnung für die Ausbildung der Priester"
("Ratio fundamentalis"), an dem einschlägigen Dokument der
Italienischen Bischofskonferenz ("La formazione dei presbiteri
nella Chiesa italiana"), an den Rahmenordnungen für die
Priesterausbildung der Deutschen, der Österreichischen und der
Schweizer Bischofskonferenz, an den "Leitlinien der Pastoral" der
Diözese Bozen-Brixen und an einschlägigen Weisungen des
Diözesanbischofs. Innerhalb dieses Rahmens versteht sich die
Lebensordnung als verbindlicher Entwurf für das Leben im Seminar.
Von Zeit zu Zeit ist sie zu überprüfen und nach Möglichkeit zu
verbessern.
II. Grundsätzliches: Priester - gute
Hirten für die Kirche
1. Das Leitbild des priesterlichen Dienstes:
der Gute Hirt
Gott selbst ist der Hirt seines Volkes (vgl. Ps 23 und Ez
34,11-22), und die Menschen, die in seinem Auftrag seinem Volk
dienen, sollen Hirten nach seinem Herzen sein (Jer 3,15). Die
Hauptaufgabe des Hirten ist die Sorge dafür, dass es der Herde gut
geht. Im Verständnis der jungen Kirche übt Gott sein Hirtenamt in
Jesus Christus selbst aus: Er ist der gute Hirt schlechthin (Joh
10,1-21), der "erhabene Hirt" seiner Schafe (Hebr 13,20), und so
Ursprung und Maßstab für jegliche Leitungsaufgabe in der Kirche.
2. Im Dienst an der Kirche zum Heil der Welt
Der Priester ist zum Dienst am Leben der Kirche berufen.
Dieses Leben zeigt sich, wie die "Leitlinien der Pastoral" in der
Diözese sagen, in konkreten Lebensäußerungen.
2.1 Gemeinschaft stiften und Gemeinde leiten
Der Priester, der einer Gemeinde vorsteht, hat die Aufgabe, die
Gemeinschaft um Christus als die Mitte zu sammeln (vgl. LG 28).
Dazu gehört auch, die vielen Berufungen in der Kirche zu fördern
und die Gläubigen für ihren Dienst in der Kirche, in Familie,
Beruf und Gesellschaft zu befähigen. Der Priester dient dem Aufbau
der Kirche, indem er, geführt vom Geist, seine Gaben in den Dienst
der Einheit stellt und am missionarischen Auftrag der Kirche
teilnimmt.
2.2 Die Frohe Botschaft verkünden
Gott selber redet die Menschen an und lädt sie ein in die
Gemeinschaft (DV 2). Der Priester soll einer sein, der durch die
Verkündigung der Frohbotschaft und durch das Beispiel seines
Lebens auf die Lebensfragen der Menschen eine glaubwürdige Antwort
gibt. Er soll auch die Gläubigen dazu befähigen, daß sie allen
Antwort zu geben vermögen, die nach dem Grund ihrer Hoffnung
fragen (vgl. 1Petr 3,15). Durch die Verkündigung der Frohen
Botschaft werden die Gläubigen befähigt, ihre Aufgabe in der Welt
wahrzunehmen.
2.3 Die Eucharistie feiern
In der Feier der Eucharistie wird die Kirche aufgebaut und
dargestellt. Mit Recht wird deswegen der Dienst, den der Priester
bei der Feier der Eucharistie vollzieht, als seine heiligste
Aufgabe angesehen. In dieser Feier handelt er "in persona
Christi". Er sammelt die Gläubigen zum geheimnisvollen Leib,
dessen Haupt Christus ist. Durch die Verbindung mit Christus
erhält die Gemeinschaft der Glaubenden eine übernatürliche
Grundlage. Durch diesen Dienst übt der Priester seine
gemeinschaftsbildende Aufgabe in vornehmster Weise aus.
2.4 Die Bruderliebe fördern
Zu einer lebendigen Gemeinde gehört wesentlich die
Bruderliebe. Von ihr hängt die Glaubwürdigkeit der Kirche ab,
entsprechend dem Wort Jesu beim Letzten Abendmahl: "Ich habe euch
ein Beispiel gegeben. … Daran sollen alle erkennen, dass ihr meine
Jünger seid …". Nach dem Beispiel Jesu müssen seine Gesalbten
Diener aller sein. Sie sollen sich besonders der Notleidenden,
Schwachen und Bedürftigen annehmen.
2.5 Mit den irdischen Gütern evangeliumsgemäß umgehen
Die kirchliche Gemeinschaft braucht, um ihrer religiösen Aufgabe
nachzukommen, auch irdische Güter, deren Verwaltung in einem
bestimmten Ausmaß auch zu den Aufgaben des Priesters gehört. Das
Evangelium gibt einige Hinweise für den Umgang mit irdischen
Gütern, die sich in der Aussage zusammenfassen lassen: Sie haben
im Dienst des Reiches Gottes zu stehen. Sie dienen dazu, die
Gemeinschaft, die Verkündigung, den Gottesdienst, die Bruderliebe
zu unterstützen. Vom rechten Umgang des Priesters mit den
irdischen Gütern hängt ein Stück weit auch die Glaubwürdigkeit des
Evangeliums ab.
III. Zur besonderen Situation der
Diözese Bozen-Brixen
Seelsorgliches Wirken geschieht immer in einer
bestimmten Umwelt. Seelsorgliche Arbeit bemüht sich, in der
jeweils konkreten Situation das Kommen des Gottesreiches zu
bezeugen.
1. Die gesellschaftliche Situation
Das gesellschaftliche Leben hat sich in den vergangenen
Jahrzehnten tiefgreifend gewandelt und stellt die Kirche vor neue
Aufgaben. Als Stichworte dieses Wandels seien genannt: der
wirtschaftliche Wohlstand und gleichzeitig neue Formen von Armut,
die Zunahme und Ausweitung des Fremdenverkehrs, die industrielle
Umschichtung, die Einführung neuer Technologien, der Ausbau der
Verkehrsnetze und die Erschließung der Berggebiete, größere
Mobilität der Bevölkerung, das Pendlertum, die Zunahme von
Arbeitssuchenden aus der Dritten Welt, Änderungen in der Familien-
und Erwerbsstruktur; Ausbau des Schulwesens, verstärkte kulturelle
Tätigkeit, Zunahme des Einflusses der Massenmedien,
gesellschaftlicher, kultureller und religiöser Pluralismus;
Konsumismus, Drogen- und Alkoholabhängigkeit; Übernahme von
Aufgaben in bisher freier Trägerschaft durch die Öffentliche Hand,
Neuregelung des Verhältnisses von Kirche und Staat durch das
Konkordat von 1984. Die gesellschaftliche Situation in unserem
Land ist ferner gekennzeichnet durch die unterschiedlichen
sozialen und wirtschaftlichen Strukturen in Stadt und Land, durch
die kulturellen Unterschiede der drei Volksgruppen und ein
wachsendes Bewusstsein der Verantwortung für die gefährdete Umwelt
und für die sozial Schwachen.
2. Die kirchliche Situation
Die Seelsorge steht einer fortschreitenden Säkularisierung
gegenüber. Die Religion verliert auf vielen Gebieten des Denkens
und Handelns ihren Einfluss, es entstehen neue Sekten und
esoterische Weltanschauungen. Zivilehen, Ehescheidungen und
außereheliche Lebensgemeinschaften nehmen zu. Innerkirchlich hat
sich ein gewaltiger Wandel in Richtung Erneuerung vollzogen,
ausgelöst durch das II. Vatikanische Konzil, auf unsere
Verhältnisse angewandt durch die Diözesansynode 1970-73, sichtbar
in der Stärkung des Prinzips der Mitverantwortung aller in der
Kirche. Ein großer Wandel in der Diözese tritt auch ein durch die
Veränderung der Art und Zahl der Mitarbeiter: Die Zahl der
Priester und Ordensleute hat stark abgenommen, eine große Zahl von
Laienmitarbeiterinnen und -mitarbeitern ist in den seelsorglichen
Dienst getreten. Die gesamtkirchlichen Anliegen und Impulse finden
in der Diözese ihren Niederschlag und die entsprechende
Verwirklichung.
IV. Die Schwerpunkte der
Lebensordnung
1. Geistliches Leben in der Nachfolge Jesu
(Spiritualität)
Nachfolge Jesu ist nicht im eigenen Entschluss des Menschen
begründet, sondern im Anruf Jesu an den Menschen: "Folge mir!" Das
heißt: die Initiative liegt bei Jesus Christus. Dem Ruf des Herrn
entspricht beim Angerufenen ein Prozess der radikalen Umkehr, eine
enge Bindung an die Person Jesu und die Bereitschaft zur Teilnahme
an seiner Sendung im priesterlichen Dienst. Die Bindung an die
Person Jesu verwirklicht sich in der Begegnung mit seinem Wort und
im Dienst in der Kirche als seinem Leib.
Schließlich bedeutet Nachfolge Jesu Aufnahme in eine
Jüngergemeinschaft, die das Leben des einzelnen stützt und sein
Zeugnis bekräftigt, deren Kennzeichen vor allem die Bereitschaft
zum gegenseitigen Dienst (Mk 9,35) und zur Vergebung (Mt 18,21-25)
ist.
Der Weltpriester entfaltet sein Christsein im priesterlichen
Dienst und findet, indem er den Menschen Christus bringt, selbst
auch Erfüllung und gelungenes Leben. Auf detaillierte Ausformungen
der Nachfolge Christi in der priesterlichen Spiritualität sei im
folgenden hingewiesen.
1.1 Gottesdienst und Gebet
In den gemeinsamen Gottesdiensten (Eucharistiefeier, Stundengebet,
Anbetung, Wortgottesdienst, Andacht) feiern wir unseren Glauben.
Sie sind ein Ausdruck von Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit.
Zentrum des geistlichen Lebens ist die Eucharistiefeier. In ihr
gedenken wir des Todes und der Auferstehung des Herrn und erfüllen
seinen Auftrag. Sie begründet und stärkt uns als Volk Gottes, in
ihr werden wir von seinem Wort geführt und in seinem Mahl genährt.
Regelmäßige Mitfeier der Eucharistie ist ein Zeichen der
alltäglichen Treue zu Jesus und der unermüdlichen Suche nach ihm.
Der Sonntag soll ein Tag des Fröhlichseins und Aufatmens vor Gott
sein, ein Tag der Freude und der Hoffnung im Angesicht des
Auferstandenen. Seine Mitte ist die Eucharistie. Gemeinsames
Erleben und Gestalten des Tages kann der menschlichen Begegnung
und der sinnvollen Erholung dienen. Das Stundengebet verbindet die
Kirche im Meditieren von Psalmen, anderen biblischen Texten und
Beiträgen aus dem Schatz der kirchlichen Überlieferung. Das
Bemühen um einen persönlichen Zugang zu dieser Gebetsform ist
daher besonders wichtig. Sie heiligt den Tag, indem sie in den
Tagesablauf Struktur und Tiefe bringt. Mit der Diakonenweihe ist
die Verpflichtung zum Stundengebet verbunden.
Zu den gemeinsamen Gottesdiensten und Gebetszeiten kommt die
Pflege des persönlichen Gebetes als Hören und Meditieren des
Gotteswortes und Besprechen des eigenen Lebens mit Gott, die
Vertrautheit mit den Heiligen, insbesondere mit der Gottesmutter
Maria.
In der Nachfolge Jesu sind immer wieder Umkehr und Buße notwendig.
Die Umkehrbereitschaft und der Glaube an die Versöhnung mit Gott
finden ihren Ausdruck besonders in Bußfeiern und im Sakrament der
Versöhnung. Die Echtheit der Umkehr erweist sich vor allem auch in
einem versöhnlichen Umgang miteinander in der Gemeinschaft.
1.2 Spirituelle Bildung und Vertiefung
Das Studium der Theologie bedarf der persönlichen
Auseinandersetzung und Aneignung. Nur so kann es (auch durch
Krisen bisheriger religiöser Vorstellungen und Gottesbilder
hindurch) dazu beitragen, den eigenen Glauben zu klären, zu
vertiefen und zu bereichern. Geistliche Bildung muss beides
verbinden: das verantwortliche Nachdenken im Sinne der Theologie
und den Vollzug des Glaubens im alltäglichen Beten und Tun. Zur
spirituellen Bildung und Vertiefung gehören auch die jährlichen
Exerzitien und die monatlichen Besinnungstage. Sie dienen der
geistlichen Orientierung, der Glaubensvertiefung und der
Entscheidungsfindung in der persönlichen Begegnung mit Gott.
1.3 Die evangelischen Räte
Das Seminar ist ein Ort der Einübung in eine Lebenskultur nach den
evangelischen Räten, wie sie Jesus selbst vorgelebt hat.
1.3.1 Armut
Das Leben nach dem Evangelium erfordert den Geist der Armut. Er
befähigt schrittweise dazu, in der Freiheit und Herrschaft über
sich selbst eine richtige Haltung zu Geld und Besitz einzunehmen,
sich in den Dienst der Armen und Kleinen zu stellen und durch die
Schlichtheit des Lebensstils ein Zeugnis für die Armut und die
Solidarität mit den Armen abzulegen. Als Zeichen der Distanz zu
den irdischen Gütern steht sie im Dienst der Hingabe an Gott und
sein Reich.
1.3.2 Ehelosigkeit
Das Leben nach dem Evangelium erfordert den Geist der Keuschheit,
der bei den Priesteramtskandidaten die Berufung zur Ehelosigkeit
um des Himmelreiches willen mit ihrer spezifischen Hingabe an
Christus und die Kirche einschließt. Sie müssen den Ruf zur
Ehelosigkeit vernommen haben und ihn für sich als Charisma sehen
können. Damit der Entschluss zur ehelosen Hingabe wirklich frei
getroffen werden kann, muss der Priesteramtskandidat imstande
sein, bei aller Hochachtung für die Ehe den evangelischen Wert der
Ehelosigkeit zu erkennen und anzuerkennen; er muss psychologisch
wirklich frei sein und den affektiven Reifegrad erreicht haben,
der eine Sicht und ein Leben der Ehelosigkeit als Weg zur
Persönlichkeitsentfaltung ermöglicht (vgl. dazu die einschlägigen
Passagen unter IV.2.1).
Als Hilfe im Prozess der affektiven Reifung ist auch der Beitrag
der Humanwissenschaften in Anspruch zu nehmen, sei es in Form von
Informationsvermittlung, sei es auch in begleitender
Gesprächsführung und Beratung.
1.3.3 Gehorsam
Das Leben nach dem Evangelium erfordert den Geist des Gehorsams.
Das Leben Jesu war geprägt vom Hinhören auf den Willen des Vaters.
Darin gründet jeder kirchliche Gehorsam, und darin findet er auch
seine Grenze. In diesem Sinn soll das Leben in der
Seminargemeinschaft auch eine Einübung in die Haltung des
Gehorsams sein, den der Seminarist bei seiner Priesterweihe dem
Bischof versprechen wird: als Bereitschaft zur Verfügbarkeit im
Dienst der Diözese. Dieser Gehorsam gilt zugleich dem Papst,
wodurch der kirchliche Dienst des Priesters in die universale
Einheit der pastoralen Tätigkeit der Kirche eingegliedert wird.
2. Leben in der Jüngergemeinschaft
2.1 Gemeinschaft und Entfaltung der Persönlichkeit
2.1.1 Leben und Erleben in Gemeinschaft
Die Priesteramtskandidaten, die im Seminar leben, bilden und sind
eine Gemeinschaft. Sie kann nur gelingen durch das Engagement
aller. In ihr soll es Raum geben für gemeinschaftliche
Veranstaltungen und für die Einbindung in kleinere Gruppen, die
bestimmte Ziele verfolgen. Wichtig für die Gemeinschaft sind die
verschiedenen Feste, die von der Seminargemeinschaft organisiert
und getragen werden. Genannt seien Feste im Jahreskreis, Weihen,
Geburts- und Namenstage, Gemeinschaftssonntage, Spiel und Sport.
Die Mehrsprachigkeit, die diese Seminargemeinschaft kennzeichnet,
bildet eine besondere Herausforderung und zugleich Chancen der
Einübung in gegenseitiges Verstehen und der kulturellen und
menschlichen Bereicherung.
2.1.2 Dienste
Die Seminargemeinschaft kann nur leben, wenn jeder bereit ist,
sich mit seinen Fähigkeiten in ihren Dienst zu stellen. Dazu
gehört auch die Bereitschaft, zur Besprechung gemeinsamer
Programme, Pläne, Unternehmungen und Probleme zusammenzukommen.
2.1.3 Der Umgangsstil
In der Gemeinschaft als ganzer, in den einzelnen Gruppen und im
individuellen Bereich soll eine Einübung in den späteren Dienst
unter Berücksichtigung der je eigenen Geistesgaben stattfinden.
Das erfordert einen bestimmten Stil des Umgangs miteinander, der
geprägt ist vom Bemühen um die Entfaltung jener Gaben, die uns in
Taufe, Firmung und Eucharistie geschenkt sind: Verzeihen;
Bereitschaft, Konflikte hilfreich aufzuarbeiten; gegenseitige
Anerkennung; Hinhören und verantwortungsvolles Reden in Offenheit
und Wahrhaftigkeit; Vertrauen; Verzicht und Hingabe; Bitten und
Danken; correctio fraterna; Veränderungsfähigkeit; Toleranz und
Friedensbereitschaft; Kooperation.
2.1.4 Affektive Reife
Für die erforderliche Reife sind ein bewusstes Wahrnehmen und
Annehmen der eigenen Geschlechtlichkeit und ein unbefangener und
kultivierter Umgang mit der Sexualität notwendig. Im Dienst der
affektiven Reifung der Priesteramtskandidaten kommt der
Seminargemeinschaft eine wichtige Rolle zu. Wenn deren ganze
Atmosphäre freundlich, optimistisch, frei, offen für den Dialog
und die Annahme anderer ist, macht sie es jedem möglich, seine
Affektivität zu entwickeln und Schwierigkeiten zu äußern. Dazu
kommen soziale Kontakte nach außen, die nicht nur einen
ungezwungenen mitmenschlichen Umgang, sondern auch eine offene und
ausgeglichene Persönlichkeitsentwicklung ermöglichen. Dabei ist
darauf zu achten, dass wirkliche Freundschaft nicht abhängig
macht, sondern in die Freiheit führt. In einem solchen Klima
sollte es dann auch möglich sein, Krisen, die einzelne
durchzustehen haben, anzusprechen und so die Solidarität der
Gemeinschaft für die Bewältigung von Krisen wirksam werden zu
lassen.
2.1.5 Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Seminar
Mit Aufmerksamkeit, Dankbarkeit und Respekt begegnen die
Seminaristen all jenen, die im Seminar leben, bzw. ins Seminar
kommen, und für Seminar und Seminaristen arbeiten.
2.1.6 Offenheit nach außen
Die Seminargemeinschaft ist offen nach außen. Dies zeigt sich u.a.
im Verhältnis zu Laientheologinnen und -theologen und anderen
Studierenden, zu anderen Seminaristen, zur Orts- und Weltkirche,
zu Ökumene und Mission und auch im Bemühen um Gastfreundschaft.
Zudem ist der Kontakt zu Herkunftsfamilie und Heimatgemeinde
wichtig. Solche Offenheit führt zu gegenseitiger Bereicherung und
Förderung zu selbstkritischer Einstellung.
2.1.7 Raum für Stille Raum für Gott
So wie die Pflege der Gemeinschaft zum Seminarleben gehört, ist
anderseits das Alleinsein und das Einhalten von Zeiten der Stille
unverzichtbar. Die Pflege der Beziehung zu Gott braucht Stille und
Konzentration; das Alleinsein beugt der Gefahr des übertriebenen
Aktionismus und des Aufgehens in der Gemeinschaft vor und fördert
die Entfaltung der persönlichen Eigenart und das Wachstum der
Persönlichkeit.
2.2 Geistliche Begleitung
So sehr die Nachfolge etwas ganz Persönliches ist, letztlich
unabhängig von Befehlen und Wünschen anderer, bedarf sie zur
Reifung doch einer klugen geistlichen Begleitung. Deshalb ist
jeder Seminarist verpflichtet, sich schon im ersten Jahr einen
geistlichen Begleiter zu wählen. Dieser soll Berater und
Weggefährte im geistlichen Suchen und Voranschreiten sein. Im
regelmäßigen vertrauensvollen Gespräch hilft und ermutigt er beim
Ordnen von Gedanken, bei der Klärung von Fragen und bei der
Festlegung von individuellen Schwerpunkten und Regelmäßigkeiten
für das geistliche Leben.
2.3 Diakonie
Jesus ist an den Menschen nicht achtlos vorübergegangen, er hat
mit Außenseitern Gemeinschaft gepflegt und den Armen die
Frohbotschaft verkündet. Das Stiften von Gemeinschaft und das
Eintreten für Gerechtigkeit erfordert Sensibilität und
Aufmerksamkeit für die Situation im Haus, für die Welt und die
Mitmenschen. Besonderes Augenmerk gilt den Nöten der Armen.
2.4 Miteinander Kirche sein
Christlicher Glaube hat immer eine kirchliche Gestalt. Der
Priesterberuf ist wesentlich ein kirchlicher Dienst, ein Dienst im
Volk Gottes für das Leben der Welt. Seine Verankerung erhält er
durch die gläubige Übereinstimmung (Identifikation) mit der
Kirche. Wie Jesus steht auch die Kirche in der Spannung zwischen
Zuwendung zu den Menschen und der notwendigen Kritik an
Missständen. Im Vertrauen auf ihn erwartet sie hoffnungsvoll die
Vollendung der Schöpfung.
2.5 Einführung in die Ortskirche
Die Seminaristen sind auch in die konkreten Verhältnisse in der
Diözese einzuführen, damit sie deren Lage und Erfordernisse kennen
und in echter Solidarität mit ihr leben. Kontakte und Begegnungen
mit Menschen und Gesellschaft entwickeln die Urteilsfähigkeit und
Solidarität, die für angehende Priester notwendig sind, um als
Mitarbeiter Gottes in der konkreten Welt zu wirken. Vor allem
sollen sie auch ein Gespür für die besondere Situation der
Dreisprachigkeit in unserer Diözese und für die Probleme einer
Fremdenverkehrs- und Dienstleistungsgesellschaft entwickeln.
3. Theologische Bildung und pastorale Befähigung
Das Studium der Theologie an der Phil.-Theol. Hochschule Brixen
dient der wissenschaftlichen Ausbildung in den Fächern der
Philosophie und der Theologie. Es wird teilweise an der Hochschule
selbst durch eine praktische Ausbildung zur pastoralen Befähigung
ergänzt und ist zu einem weiteren Teil von den Seminaristen durch
selbstgewählte Praktika zu ergänzen. Theologie als Rede von Gott
wird nur dort glaubhaft, wo sich der Mensch mit seiner eigenen
Erfahrung darin wiederfindet. Sie setzt ein aufmerksames Hinhören
auf die Sorgen, Nöte und Freuden der Menschen voraus. Ihr letztes
Ziel ist nicht nur ein Reden von Gott, sondern ein liebendes Reden
mit Gott.
3.1 Der untere Studienabschnitt
3.1.1 Theologische Bildung
Die Studieninhalte der einzelnen Fächer, die in den ersten vier
Semestern vermittelt werden, richten sich nach dem Studienplan.
Über die Aneignung des Wissens hinaus soll in dieser Stufe
erreicht werden:
Ein erstes wissenschaftlich verantwortetes Reflektieren des
persönlichen und kirchlichen Glaubens;
eine grundlegende Orientierung über Sinn und Aufbau des
theologischen Studiums,
die Beherrschung des methodischen Instrumentariums für das Studium
der Theologie sowie verschiedene Arbeitsweisen individuellen und
gemeinsamen Studierens.
3.1.2 Pastorale Befähigung
Erste Schritte der pastoralen Ausbildung sind:
Kennen lernen verschiedener pastoraler Bereiche, Vorbereitung und
Nachbesprechung der Praktika;
Kennen lernen der Grundelemente und Gesetzmäßigkeiten der
kirchlichen Liturgie mit dem Bemühen, Leben und Liturgie in
Verbindung zu bringen;
Sensibilisierung für die sprachlichen und musikalischen
Möglichkeiten, Stimmbildung und Grundelemente rednerischer
Ausbildung;
Einübung in die Kommunikation, erste Anleitung zur
Gesprächsführung mit einzelnen und Gruppen;
Kontakt und Austausch mit Altersgenossen und Gruppen außerhalb des
Seminars,
Waches Interesse am politischen und kulturellen Leben und
Erweiterung der Allgemeinbildung.
3.2 Das Externjahr (normalerweise 3. Jahr)
3.2.1 Theologische Bildung:
Studienziele und Studieninhalte des theologischen Studiums sind im
wesentlichen durch die Studienordnung umschrieben. Besondere
Anliegen zum Beginn des zweiten Studienabschnittes sind:
Einstieg in die verschiedenen theologischen Disziplinen und erstes
Bemühen um Schwerpunktbildung innerhalb des Studiums;
Offenheit für die spezifischen Akzente, die der gewählte
Studienort im Hinblick auf die theologische Ausbildung bietet.
3.2.2 Pastorale Befähigung
Diese Stufe bietet die besondere Gelegenheit, aus eigener
Initiative Verbindung mit einer Gemeinde am Studienort
aufzunehmen, z.B. durch
Mitarbeit am Gottesdienst der Gemeinde und ihrer Gruppe;
- Mitarbeit in der Gemeindekatechese;
Unterstützung und Begleitung sozial-karitativer Aktionen und
Gruppen;
- Kontakt und Mitarbeit in der Hochschulgemeinde.
3.3 Der obere Studienabschnitt (3.-5. Jahr)
3.3.1 Theologische Bildung
Dieser Abschnitt bildet den Schwerpunkt der theologischen
Ausbildung.
Es geht vor allem darum, ein solides Wissen in den theologischen
Disziplinen zu erwerben und zugleich Einblick in ihren inneren
Zusammenhang zu gewinnen. Der Student soll mit der Lehre der
Kirche vertraut werden, verschiedene theologische Richtungen
kennen und beurteilen lernen und die Mitte in Theologie und
persönlichem Glaubensleben finden. Durch die Schwerpunktbildung im
theologischen Studium gewinnt er Kenntnisse und Fähigkeiten, die
ihm verstärkt zu selbständiger Arbeit und Urteilsfindung
verhelfen.
3.3.2 Pastorale Befähigung
Zum Studium im zweiten Abschnitt gehört auch die
pastoraltheologische Grundlegung der zentralen priesterlichen
Dienste sowie die Einweisung in deren Vollzug. Im einzelnen sind
zu nennen:
erste Erfahrungen in der Predigt;
Einübung in den Umgang mit den verschiedenen
Kommunikationsmitteln;
- seelsorgliche und geistliche Gesprächsführung;
Reflexion der Praktika und praktischen Erfahrungen auf ihre
anthropologischen und theologischen Implikationen.
3.4 Das Pastoraljahr (6. Jahr)
3.4.1 Theologische Bildung
Im Zusammenhang mit den beginnenden praktischen Tätigkeiten und in
der Vorbereitung auf den Empfang der Weihe gehört zur
theologischen Bildung vor allem das Bemühen,
den Kontakt mit der wissenschaftlichen Theologie zu halten;
Glaubensüberlieferung und Glaubenserfahrung der Kirche theologisch
verantwortet ins seelsorgliche Tun einzubringen;
das theologische Verständnis des Weihesakramentes zu vertiefen.
Hilfen dazu sind: die theologische Aufarbeitung bestimmter Themen
aus gegebenem Anlass; die Erarbeitung theologischer Themen in
Verbindung mit religionspädagogischen und homiletischen Modellen;
die Lektüre theologischer Zeitschriften und wichtiger
theologischer Werke.
3.4.2 Pastorale Befähigung
Schwerpunkt dieser Stufe ist die Einführung und Einübung in die
amtlichen Dienste der Verkündigung, Liturgie und Diakonie, wie sie
von Diakon und Priester ausgeübt werden.
Das Pastoraljahr bereitet darauf vor durch:
praxisnahe Vorlesungen und Übungen;
Einführung in den Dienst des Vorstehers der liturgischen Feiern,
Einweisung in die Aufgabe des Beichtvaters;
religionspädagogische und homiletische Übungen,
Vorbereitung auf Einzel- und Gruppenseelsorge (z.B. Taufgespräch,
Ehevorbereitungsgespräch, geistliche Führung);
Kennen lernen der Seelsorgesituation der Diözese.
Bei der Einübung in die Grunddienste ergänzen sich theoretische
Ausbildung und praktischer Einsatz wechselseitig. Das
Pastoralpraktikum ist ein wichtiges Element dieser Stufe. Es muss
sachgerecht vorbereitet, beigelegt und nachbereitet, bzw.
ausgewertet werden in Zusammenarbeit zwischen der Seminarleitung,
den Professoren und den Pfarrern, bei denen die Kandidaten ihren
Einsatz leisten. Diese Pfarrer sollen für die Aufgabe besonders
ausgewählt und angeleitet werden. Im praktischen Einsatz stellen
sich folgende Aufgaben:
regelmäßige und verantwortliche Beteiligung an der Vorbereitung,
Durchführung und Nachbesprechung von liturgischen Feiern;
Vorbereitung, Durchführung und Nachbesprechung von Predigten;
Vorbereitung und Durchführung längerer Unterrichtseinheiten in
Religionsunterricht und Gemeindekatechese, vor allem bei der
Hinführung der Kinder zu den Sakramenten;
länger andauernde verantwortliche Mitarbeit in einer Zielgruppe
(z.B. Jugendgruppe, Familienkreis, PGR-Ausschuss);
Einübung in ein exemplarisches Feld sozial-karitativer Arbeit;
Mitarbeit in der Kranken- und Altenseelsorge;
Teilnahme an den regelmäßigen Planungsgesprächen für die pastorale
Arbeit.
4. Das Priesterseminar als Ort eines Entscheidungsprozesses
Für den einzelnen, der ins Priesterseminar eintritt, soll dieses
der Ort sein, wo er seine persönliche Berufung klären,
weiterentwickeln und festigen kann. Dieser Prozess verläuft in
verschiedenen Phasen.
4.1 Eintritt ins Priesterseminar
Voraussetzung für den Eintritt ist die bewusste wenn auch noch
nicht endgültige Entscheidung für den Weg zum Priestertum. Beim
Aufnahmegespräch ist zu klären, ob der Kandidat diese Entscheidung
getroffen hat. Unterstützt von seinen Mitarbeitern muss der Regens
vor der Aufnahme eines Kandidaten sich ein Urteil bilden über
dessen Eignung. Dabei sind die menschlichen und sittlichen
Qualitäten, die geistliche und intellektuelle Begabung sowie die
Fähigkeit zu Kontakt und Zusammenarbeit zu berücksichtigen. Auch
wird man den körperlichen und psychischen Gesundheitszustand durch
entsprechende Fachkräfte begutachten lassen. Vor allem muss man
dem Kandidaten behilflich sein, selbst ernstlich und aufrichtig
vor Gott nachzudenken und die Motive zu prüfen, die ihn dazu
veranlassen, sich für den priesterlichen Dienst zu entscheiden.
Vor der Aufnahme eines Kandidaten, der von einem anderen Seminar
oder von einem Ordensinstitut kommt, wird von dessen früheren
Oberen ein ausführlicher Bericht angefordert.
Alle Neueintretenden nehmen an der für sie veranstalteten
Einführungswoche teil. Sie hat den Zweck einer ersten
breitangelegten Auseinandersetzung mit Fragen von Berufung,
Kirchen- und Priesterbild, Seminarleben und Leben als Priester.
Darüber hinaus werden zum leichteren Einstieg in Seminarleben und
-gemeinschaft im ersten Studienjahr eigene Hilfen angeboten.
4.2 Kontinuierliche Begleitung
Das Priesterseminar soll ein Ort der Persönlichkeitsentfaltung für
den einzelnen sein: in einem persönlich begleiteten Reifen in der
Auseinandersetzung mit der Gemeinschaft, mit dem geistlichen
Begleiter, mit den Hausvorständen soll die Frage der Berufung zum
Amtspriestertum schrittweise geklärt werden. Dazu ist auch eine
weitgehende Identifikation mit der konkreten Kirche erforderlich.
Die Auseinandersetzung mit der eigenen Lebens- und
Glaubensgeschichte, dem eigenen Lebensstil, den persönlichen
Problemen, dem sozialen Umfeld und den brennenden Fragen unserer
Zeit sowie die Arbeit an den eigenen Fähigkeiten und Grenzen
bietet die Grundlage für eine verantwortliche Entscheidung.
Regelmäßige Standortgespräche mit den Hausvorständen dienen diesem
Prozess.
4.3 Das Externjahr
Nach Beendigung des unteren Studienabschnittes erscheint es
sinnvoll, das dritte Ausbildungsjahr an einem anderen Studienort
oder gegebenenfalls in einem Pastoraleinsatz zu verbringen. Die
Entscheidung wird im Einverständnis mit dem Regens und nach
Rücksprache mit dem Dekan der Hochschule getroffen. Abstand zur
gewohnten Lebensform, selbständige Gestaltung des Alltags, der
Umgang mit dem Alleinsein und das Überdenken von
Entscheidungsschritten können prägende Elemente dieser Zeit sein.
Da das Externjahr eine starke Zäsur in der Ausbildung darstellt,
bildet die bewusste Rückkehr ins Seminar einen wichtigen
Entscheidungsschritt. Das Externjahr soll entsprechend
vorbereitet, begleitet und aufgearbeitet werden.
4.4 Beauftragung, Admissio, Weihe
Die Entscheidungsschritte auf dem Weg der Ausbildung und
Vorbereitung auf den Beruf drücken sich in der Beauftragung, der
Admissio und der Diakonen und Priesterweihe aus.
Die Beauftragung zum Lektoren- und Akolythendienst macht die
Verantwortung für die Verkündigung des Wortes und für den Dienst
an der eucharistischen Gemeinschaft bewusst.
Die Admissio ist die Aufnahme unter die Kandidaten zum
Priesteramt. Sie ist Ausdruck der persönlichen Entscheidung zum
priesterlichen Dienst und der Annahme durch den Bischof.
Die Weihe zum Priester ist das Sakrament, in dem Gott seinen Ruf
zum amtspriesterlichen Dienst besiegelt und dafür seine besondere
Gnade verleiht. Für den Weihekandidaten ist sie Ausdruck seiner
Bereitschaft zu diesem Dienst in der Kirche.
Der Zulassung unter die Weihekandidaten und zu den Weihen geht ein
Skrutinium voraus, auf das besonderes Gewicht zu legen ist.
Gegenstand des Gesprächs ist dabei die menschliche, theologische,
spirituelle und pastorale Reife der Kandidaten. Die Diakonenweihe
erfolgt normalerweise nach der Erreichung des Abschlussdiploms der
Phil.-Theol. Hochschule, die Priesterweihe nach der Absolvierung
des Pastoraljahres und der bestandenen Cura-Prüfung. Die
Weiheexerzitien bieten die jeweils notwendige letzte
Entscheidungshilfe und unerlässliche Vorbereitung auf die Weihe.
4.5 Austritt aus dem Priesterseminar
Der Prozess der Berufsklärung kann dazu führen, dass ein
Seminarist aus eigenem Entschluss das Seminar verlässt, oder dass
er als ungeeignet für den Priesterberuf befunden wird. Im zweiten
Fall wird ihm der Regens dies unverzüglich mitteilen und ihm
behilflich sein, einen anderen Weg einzuschlagen. Es kann
hilfreich sein, die Frage zu stellen, welche Bedeutung die
Seminarzeit für das bisherige Leben hatte und für die Zukunft
haben kann.
4.6 Das Pastoraljahr
Das Pastoraljahr soll den Diakonen den Übergang vom Studium zur
Praxis erleichtern und helfen, die Anforderungen in der
praktischen Pastoral zu bewältigen. Die Begleitung durch den
Pfarrer am Einsatzort und die Reflexion in der Pastoraljahrsgruppe
sollen ein Hineinwachsen in die Praxis ermöglichen und
Überforderung verhindern. Das Pastoraljahr ist als
Hochschullehrgang organisiert. Mit Beendigung des Pastoraljahres
und mit der Weihe zum Priester ist die Seminarausbildung
abgeschlossen.
5. Die Verantwortlichen in Priesterseminar und Diözese
5.1 Die Seminaristen
Die erste Verantwortung für das Wachstum in menschlicher,
geistlicher und fachlicher Hinsicht tragen die Seminaristen
selbst. Das Bewusstsein, dass die Berufung zum priesterlichen
Dienst auf Gott zurückgeht, zeigt der Berufene dadurch, dass er
Christus als Lehrer und Modell annimmt und sich vom Geist Gottes
führen lässt.
5.2 Die Seminarleitung
5.2.1 Der Diözesanbischof
Der Diözesanbischof ist der Letztverantwortliche für das Seminar
(vgl. CIC can. 263).
5.2.2. Die Hausvorstände allgemein
Zu den Hausvorständen gehören der Regens, der Spiritual und
gegebenenfalls weitere im Sinn der Seminarleitung mit besonderen
Aufgaben betraute Mitarbeiter. Sie üben ihren Dienst im Auftrag
des Bischofs und unter seiner Verantwortung aus. Die Hausvorstände
halten regelmäßige Besprechungen, um die gemeinsame Arbeit
aufeinander abzustimmen, im Seminar auftretende Probleme zu
besprechen und gemeinsam alles zu fördern, was der Heranbildung
der Seminaristen dient. Zu den allgemeinen Aufgaben der
Hausvorstände gehören:
Die Feier der Eucharistie und anderer Gottesdienste im Seminar,
Die Führung von Einzel- und Gruppengesprächen;
Das Angebot von Hilfen für das menschliche und geistliche
Wachstum;
Hilfe und Beratung hinsichtlich des Studiums, falls sich dies als
nötig erweist;
Besuch der Seminaristen im Externjahr.
5.2.3 Der Regens
Aufgabe des Regens ist die Ausrichtung und Führung des Seminars
nach den Richtlinien der vorliegenden Lebensordnung. In die
spezifische Verantwortung des Regens fallen:
Fragen der Organisation und der Ordnung des Seminars;
Entscheidung über Aufnahme bzw. Entlassung von Kandidaten;
Vorbereitung und Moderation des Skrutiniums sowie Voten über die
Zulassung der Kandidaten zu Diakonat und Presbyterat als
Entscheidungsvorbereitung für den Bischof;
Verbindung zu Bischof und Presbyterium,
Verbindung zur Phil.-Theol. Hochschule;
Vertretung des Seminars in der Öffentlichkeit.
5.2.4 Der Spiritual
Der Spiritual ist Begleiter und Helfer der Studenten bei ihrem
Bemühen, die Nachfolge Christi einzuüben und miteinander
christlich zu leben, bei ihrer Suche nach dem eigenen geistlichen
Weg und bei der Klärung der Berufsfrage. Dabei ist in jeder Weise
sicherzustellen, dass seine Verschwiegenheit unangetastet bleibt.
Zu seinen spezifischen Aufgaben gehören:
Einführung in das geistliche Leben, im besonderen des
Diözesanpriesters,
Einführung in die verschiedenen Formen der Frömmigkeit, Einübung
in die Unterscheidung der Geister;
Das Angebot geistlicher Begleitung;
Spendung des Bußsakraments und Angebot von Beichtgesprächen;
Hilfe bei Berufsklärung und -entscheidung im Hinblick auf den
Dienst als Priester und die zölibatäre Lebensform,
Hilfe zur christlichen Persönlichkeitsreifung und Begleitung in
Krisen.
5.2.5 Weitere Mitarbeiter in der Seminarleitung
Entsprechend den Bedürfnissen der Alumnen und in Absprache mit
Regens und Spiritual ernennt der Bischof einen oder mehrere
weitere/n Mitarbeiter, der/die den Seminaristen in Fragen des
Seminarlebens zur Verfügung steht/stehen.
5.3 Die Hausgemeinschaft
Vgl. hier das unter IV.2.1 Gesagte.
Alle wichtigen Angelegenheiten, die das Leben im Seminar
betreffen, werden der Vollversammlung aller Seminaristen und
Hausvorstände vorgelegt ("Forum") und dort gegebenenfalls
diskutiert und abgestimmt. Dabei ist es wichtig, dass die
Beziehung zwischen Seminarleitung und Seminaristen nicht nur auf
der Autorität basieren, sondern auch auf gegenseitigem Verständnis
und auf Zusammenarbeit.
5.4 Das Professorenkollegium
Die Mitglieder des Professorenkollegiums der Phil.-Theol.
Hochschule sind im eigentlichen Sinn Miterzieher am
Priesterseminar. Diese Aufgabe haben sie in Einheit mit dem
Bischof zu erfüllen. Sie sollen in ihrer Lehrtätigkeit nicht nur
Wissen vermitteln, sondern auch das geistliche Leben fördern.
Begegnungen und Zusammenkünfte untereinander können dazu eine
Hilfe sein. Die offiziellen Orte, an denen die Mitglieder des
Professorenkollegiums ihre Mitverantwortung für den Weg der
Priesteramtskandidaten wahrnehmen, sind die Lehrtätigkeit und das
Skrutinium, bei dem in Anwesenheit des Bischofs die Meinungen über
Eignung bzw. Nichteignung eines jeden Seminaristen für den
priesterlichen Dienst ausgetauscht werden.
5.5 Die Priestergemeinschaft
Das Presbyterium der Diözese nimmt an der Verantwortung des
Bischofs für das Seminar teil. Die Priester bekunden ihre
Solidarität und Mitverantwortung durch die Bereitschaft zu
geistlicher Begleitung, durch Einladung von Seminaristen in die
Pfarreien, durch Kontakte zur Seminarleitung und Besuche im
Priesterseminar. Eine besonders wichtige Form der Mitverantwortung
in der Priesterausbildung stellt die Begleitung der Diakone im
Pastoraljahr dar.
5.6 Die Gläubigen der Diözese
Das Priesterseminar ist ein lebenswichtiger Ort für die Diözese,
da sich hier die künftigen Priester auf ihren Dienst in der
Diözese vorbereiten. Darum fühlt sich die ganze Ortskirche mit dem
Seminar verbunden. Sie zeigt ihre Verbundenheit und
Mitverantwortung besonders auch dadurch, dass sie das Leben im
Seminar mit Wohlwollen begleitet und dass für den Priesterberuf
gebetet, gesammelt und geworben wird. Es ist also Aufgabe der
Familien, der Pfarreien, des Religionsunterrichtes, der Verbände,
der Erwachsenbildung und der Jugendpastoral, das Thema der
geistlichen Berufe immer wieder ins Gespräch zu bringen und das
Interesse dafür durch Verbreitung von Informationsmaterial sowie
durch biblische Besinnung, persönliche Kontakte und Gebet wach zu
halten. Auf Diözesanebene nimmt sich dieses Anliegens in
besonderer Weise die Kommission für geistliche Berufe an.
Brixen, am 10. März 1990
† Wilhelm Egger
Bischof
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