Bischöfliches Priesterseminar Brixen Bischöfliches Priesterseminar Brixen seminarium insula sanctae crucis syn pietas et scientia
 
 
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Priesterseminar Brixen
Seminarplatz 4
I-39042 Brixen
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Unser Haus

Die Seminarbibliothek

Über dem Haupteingang liegt der große Bibliotheksaal (im Bild). Er misst 11 x 8,8 Meter und erstreckt sich über zwei Stockwerke. Die Decke wird von zwei Säulen getragen, welche die Zweiheit Schrift und Tradition versinnbildlichen. In den sechs von kunstvollen Stuckaturen umrahmten Flachkuppeln hat Franz Anton Zeiller Darstellungen der theologischen Fächer gemalt, die damals gelehrt wurden: Bibelwissenschaft, Mystik und Aszetik, Dogmatik und Moral, Jurisprudenz, Apologetik, Rhetorik. Die Zwickel stellen Vertreter der jeweiligen Disziplin dar. Ursprünglich waren die Bücher der jeweiligen Fächer in den Regalen unter den entsprechenden Bildern zu finden.

Der Schlüsselsatz und das Programm der Bibliothek lautet: "Si Christum noscis, nihil est, si cetera nescis, si Christum nescis, nihil est si cetera noscis". Zu deutsch: "Wenn du Christus kennst, macht es nichts, wenn du das übrige nicht kennst, wenn du aber Christus nicht kennst, ist alles übrige, was du kennst, wie nichts".

Das erste Fresko über dem Eingang ist der Bibelwissenschaft (im Bild) gewidmet und stellt den hl. Hieronymus mit einem Löwen dar (das Gesicht des Löwen soll die Züge des damaligen Fürstbischofs Leopold von Spaur tragen). Hier sind wieder die Parallelen zum Escorialkloster zu erwähnen, da ja von Hieronymiten bewohnt wurde. Das Bild ist signiert: "Franz Ant. Zeiller Cels.mi & Rev.mi DD. Epi. et S.R.I. Prin.cis Brixin. Pict. Aul. Pinx. MDCCLXXII".

Gegenüber sind Vertreter der Aszetik und Mystik dargestellt: u.a. zwei Heilige aus dem Karmelitenorden, Theresia von Avila und Johannes vom Kreuz, der hl. Ignatius von Loyola, der hl. Johannes Klimakos, der hl. Bernhard von Clairvaux und der Autor der "Nachfolge Christi", der hl. Thomas von Kempen. Der oben zitierte Schlüsselsatz "Si Christum noscis, ..." umrahmt dieses Bild.

In der Westecke steht (der uns schon von der Seminarkirche her bekannte) hl. Johannes Cantius für die Dogmatik und die Moraltheologie. Er ist dargestellt beim Unterricht der Theologen, darüber schwebt hl. Thomas von Aquin, dessen Summa Theologiæ über Jahrhunderte das Lehrbuch der Dogmatik war.

Die Jurisprudenz wird - in der Südecke - vom hl. Raimund de Peñaforte (im Bild) vertreten. Die Legende erzählt, dass der Heilige dem König von Aragonien, Jakob I., dessen Beichtvater er war, öffentlich wegen seines sittenlosen Lebens getadelt und ihn verlassen habe, woraufhin der König unter Todesstrafe allen verbot, den Dominikanermönch übers Meer zu bringen. Da soll Raimund seinen Mantel ausgebreitet und über ihn das Kreuzzeichen gemacht haben, und dann auf dem Kleidungsstück übers Meer geglitten sein. Die letzte Episode dieser Legende ist hier im Bild dargestellt.

In der Nordecke ist die Allegorie der Apologetik dargestellt: der hl. Augustinus weist auf die Ecclesia, bei deren Anblick die Häresien der Donatisten, Apollinaristen und Pelagianer abstürzen.

Als letzte Disziplin wird in er Ostecke die Rhetorik dargestellt: der hl. Ambrosius von Mailand mit dem Kaiser Theodosius.

Die ältesten Bestände der Bibliothek, illuminierte Handschriften und Frühdrucke gehen zurück auf die Privatbibliotheken der Brixner Fürstbischöfe, u.a. auch von Kardinal Nikolaus Cusanus. Das ehrwürdigste Denkmal ist sicher das Karnoler Missale aus dem 14. Jahrhundert. Interessant ist auch die große Anzahl von Bibelausgaben in verschiedensten Sprachen (u.a. hebräisch, arabisch, äthiopisch, armenisch).

(Fabian Tirler)
(Literatur: K. Gruber, Das Priesterseminar in Brixen. Bozen 1990.)


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