Unser Haus
Die Seminarkirche
Nach nur kurzer Bauzeit wurde die Kirche bereits
am 28. Juni 1767 geweiht. Ihre vorzügliche Ausstattung mit edlen
Materialien und erstklassigen Kunstschöpfungen lassen sie zu einem
großartigen Gesamtkunstwerk werden.
Mit dem Baustil und Grundriss (hier ist vor
allem die Erfindung des Vorjoches zum Chor zu nennen) der
Seminarkirche hatten Tangl und Penz einen neuen Kirchentypus
geschaffen, der vorbildlich für viele Bauten in der Diözese Brixen
geworden ist und viel Male nachgebaut und variiert wurde.
Im Inneren (im Bild) folgt auf die Vorhalle
unter den zwei Emporen (Bet- und Orgelchor) der quadratische
Hauptraum mit einer kreisrunden Flachkuppel. Als Übergang zum
Presbyterium folgt ein konkav einschwingender Chorbogen, der von
einer rechteckigen Flachkuppel überwölbt wird. Im halbrunden
Chorabschluss steht der klassizistische Hochaltar als Zielbild des
Gotteshauses.
In die lichte und luftige Architektur wurden die
Gemälde des fürstbischöflichen pictor aulicus (Hofmaler) Franz
Anton Zeiller aus Reutte im Außerfern komponiert.
In der Hauptkuppel (im Bild) ist die Auffindung
des Kreuzes Christi in Gegenwart des Kaiserin Helena dargestellt.
Die drei gefundenen Kreuze werden einer Kranken aufgelegt, jenes,
an dem Christus starb, bewirkt die sofortige Heilung. In den
Zwickeln sind vorne je zwei der vier Evangelisten, hinten die vier
großen lateinischen Kirchenvätern dargestellt. Am Übergang ins
Presbyterium sieht man alttestamentliche "Hinweise" auf das
heilige Kreuz: Mose und die eherne Schlange, sowie Abraham und
Isaak. Die Flachkuppel über dem Presbyterium zeigt die Heimführung
des heiligen Kreuzes nach Jerusalem durch Kaiser Heraklius, die
Zwickel die vier Kardinaltugenden Iustitia (Gerechtigkeit),
Fortitudo (Tapferkeit), Prudentia (Klugheit) und Temperantia
(Mäßigung). Über dem Hochaltar sind in Gissailletechnik
typologische Vorbilder der heiligen Eucharistie aus dem Alten
Testament dargestellt: die Schaubrote im Tempel, die Stärkung des
Elija durch einen Engel, das Essen des Paschalamms und die
Mannalese. Darüber wird von weihrauchspendenden Putti der
hebräisch geschriebene Gottesname verehrt; JHWH bedeutet Gott ist
mit uns, und diese Gegenwart wird sakramental verdeutlicht in der
Eucharistie.
Über dem Orgelchor sieht man die Verehrung des
heiligen Kreuzes durch Diözesan-, Seminar und Pilgerpatrone (im
Bild). Zu erkennen sind der hl. Hieronymus, der hl. Kassian (mit
ABC-Tafel), die hll. Ingenuin und Albuin, der hl. Magnus (mit dem
wundertätigen St.-Magnus-Stab von Füssen), der hl. Alexius
(Pilgerpatron; ihm war zusammen mit dem hl. Hieronymus die
Unterkirche des Hl.-Kreuz-Spitals geweiht), der hl. Philipp Neri,
der hl. Aloisius, die hl. Dorothea, der hl. Christophorus, der hl.
Karl Borromäus, der sel. Hartmann von Brixen (der das alte Spital
eingeweiht hatte), der hl. Johannes Nepomuk und der hl. Viktor von
Mailand.
Ungefähr hundert Jahre nach der Fertigstellung
der Seminarkirche wurden die Altarbilder von Zeiller durch Gemälde
von Caspar Jele ersetzt, denn nach den nüchternen Zeiten der
Aufklärung und während der pietistischen Erneuerung wollte man den
Alumnen den Anblick allzu "zopfiger" (also barock-üppiger) Kunst
ersparen. Bei der Restaurierung von 1984 wurden die ursprünglichen
Seitenaltarbilder von Zeiller wieder eingesetzt, während das
ursprüngliche Hochaltarbild nicht mehr auffindbar ist. Die
Seitenaltarbilder von Jele hängen jetzt im ersten Stock im
Hochschulbereich.
Das Hochaltarbild von Caspar Jele zählt zu den
beeindruckendsten Werken des Nazarener Stils in Tirol. Es ist um
etwa hundert Jahre jünger als die Fresken von Zeiller. Man sieht
eine Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes, sowie Maria
Magdalena, die kniend das Kreuz umarmt. Das nördliche
Seitenaltarbild von Zeiller zeigt den seligen Bischof Hartmann (im
Bild), über dem Altar sieht man den hl. Alexius als Bettler unter
der Treppe seines Vaterhauses; das südliche Seitenaltarbild stellt
den hl. Johannes Cantius (aus Kety in Polen) dar, der im 15. Jh.
ein großer Theologieprofessor war, und einige Male nach Rom
pilgerte, und dabei vielleicht auch im Heilig-Kreuz-Spital in
Brixen Halt machte. Über dem Altar der hl. Bischof Kilian, wie er
auf den hl. Franz von Sales einredet.
Bemerkenswert ist der zu einem Weihwasserbecken
umfunktionierte Taufbrunnen, der darauf hindeutet, dass die
Kreuzeskirche ursprünglich Pfarrkirche für den St. Andräer Berg
war. Verschiedene Denkmäler erinnern an bedeutender
Persönlichkeiten die mit dem Spital oder mir dem Seminar in
Verbindung standen.
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