Bischöfliches Priesterseminar Brixen seminarium insula sanctae crucis syn pietas et scientia
 
 
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Priesterseminar Brixen
Seminarplatz 4
I-39042 Brixen
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Unser Haus

Die Seminarkirche

Nach nur kurzer Bauzeit wurde die Kirche bereits am 28. Juni 1767 geweiht. Ihre vorzügliche Ausstattung mit edlen Materialien und erstklassigen Kunstschöpfungen lassen sie zu einem großartigen Gesamtkunstwerk werden.

Mit dem Baustil und Grundriss (hier ist vor allem die Erfindung des Vorjoches zum Chor zu nennen) der Seminarkirche hatten Tangl und Penz einen neuen Kirchentypus geschaffen, der vorbildlich für viele Bauten in der Diözese Brixen geworden ist und viel Male nachgebaut und variiert wurde.

Im Inneren (im Bild) folgt auf die Vorhalle unter den zwei Emporen (Bet- und Orgelchor) der quadratische Hauptraum mit einer kreisrunden Flachkuppel. Als Übergang zum Presbyterium folgt ein konkav einschwingender Chorbogen, der von einer rechteckigen Flachkuppel überwölbt wird. Im halbrunden Chorabschluss steht der klassizistische Hochaltar als Zielbild des Gotteshauses.

In die lichte und luftige Architektur wurden die Gemälde des fürstbischöflichen pictor aulicus (Hofmaler) Franz Anton Zeiller aus Reutte im Außerfern komponiert.

In der Hauptkuppel (im Bild) ist die Auffindung des Kreuzes Christi in Gegenwart des Kaiserin Helena dargestellt. Die drei gefundenen Kreuze werden einer Kranken aufgelegt, jenes, an dem Christus starb, bewirkt die sofortige Heilung. In den Zwickeln sind vorne je zwei der vier Evangelisten, hinten die vier großen lateinischen Kirchenvätern dargestellt. Am Übergang ins Presbyterium sieht man alttestamentliche "Hinweise" auf das heilige Kreuz: Mose und die eherne Schlange, sowie Abraham und Isaak. Die Flachkuppel über dem Presbyterium zeigt die Heimführung des heiligen Kreuzes nach Jerusalem durch Kaiser Heraklius, die Zwickel die vier Kardinaltugenden Iustitia (Gerechtigkeit), Fortitudo (Tapferkeit), Prudentia (Klugheit) und Temperantia (Mäßigung). Über dem Hochaltar sind in Gissailletechnik typologische Vorbilder der heiligen Eucharistie aus dem Alten Testament dargestellt: die Schaubrote im Tempel, die Stärkung des Elija durch einen Engel, das Essen des Paschalamms und die Mannalese. Darüber wird von weihrauchspendenden Putti der hebräisch geschriebene Gottesname verehrt; JHWH bedeutet Gott ist mit uns, und diese Gegenwart wird sakramental verdeutlicht in der Eucharistie.

Über dem Orgelchor sieht man die Verehrung des heiligen Kreuzes durch Diözesan-, Seminar und Pilgerpatrone (im Bild). Zu erkennen sind der hl. Hieronymus, der hl. Kassian (mit ABC-Tafel), die hll. Ingenuin und Albuin, der hl. Magnus (mit dem wundertätigen St.-Magnus-Stab von Füssen), der hl. Alexius (Pilgerpatron; ihm war zusammen mit dem hl. Hieronymus die Unterkirche des Hl.-Kreuz-Spitals geweiht), der hl. Philipp Neri, der hl. Aloisius, die hl. Dorothea, der hl. Christophorus, der hl. Karl Borromäus, der sel. Hartmann von Brixen (der das alte Spital eingeweiht hatte), der hl. Johannes Nepomuk und der hl. Viktor von Mailand.

Ungefähr hundert Jahre nach der Fertigstellung der Seminarkirche wurden die Altarbilder von Zeiller durch Gemälde von Caspar Jele ersetzt, denn nach den nüchternen Zeiten der Aufklärung und während der pietistischen Erneuerung wollte man den Alumnen den Anblick allzu "zopfiger" (also barock-üppiger) Kunst ersparen. Bei der Restaurierung von 1984 wurden die ursprünglichen Seitenaltarbilder von Zeiller wieder eingesetzt, während das ursprüngliche Hochaltarbild nicht mehr auffindbar ist. Die Seitenaltarbilder von Jele hängen jetzt im ersten Stock im Hochschulbereich.

Das Hochaltarbild von Caspar Jele zählt zu den beeindruckendsten Werken des Nazarener Stils in Tirol. Es ist um etwa hundert Jahre jünger als die Fresken von Zeiller. Man sieht eine Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes, sowie Maria Magdalena, die kniend das Kreuz umarmt. Das nördliche Seitenaltarbild von Zeiller zeigt den seligen Bischof Hartmann (im Bild), über dem Altar sieht man den hl. Alexius als Bettler unter der Treppe seines Vaterhauses; das südliche Seitenaltarbild stellt den hl. Johannes Cantius (aus Kety in Polen) dar, der im 15. Jh. ein großer Theologieprofessor war, und einige Male nach Rom pilgerte, und dabei vielleicht auch im Heilig-Kreuz-Spital in Brixen Halt machte. Über dem Altar der hl. Bischof Kilian, wie er auf den hl. Franz von Sales einredet.

Bemerkenswert ist der zu einem Weihwasserbecken umfunktionierte Taufbrunnen, der darauf hindeutet, dass die Kreuzeskirche ursprünglich Pfarrkirche für den St. Andräer Berg war. Verschiedene Denkmäler erinnern an bedeutender Persönlichkeiten die mit dem Spital oder mir dem Seminar in Verbindung standen.


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